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Allgemeine Informationen zur DPSG

 

Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) ist mit über 100.000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der katholische Pfadfinderverband in Deutschland. Der Verband wurde 1929 gegründet; nach Auflösung und Verbot 1938 erlebte die DPSG in den fünfziger Jahren ein kontinuierliches Wachstum. Seit 1971 ist die DPSG ein koedukativer Verband für Mädchen und Jungen, Frauen und Männer.

Die DPSG ist über den Ring Deutscher Pfadfinderverbände Mitglied in der von Lord Robert Baden-Powell gegründeten Weltpfadfinderbewegung.

Gemeinsam mit katholischen Pfadfinderverbänden aus anderen Ländern ist die DPSG Mitglied in der Internationalen Katholischen Konferenz des Pfadfindertums (CICS), die vom heiligen Stuhl als internationale katholische Organisation anerkannt ist.

Mehr Informationen gibt es bei dem Bundesamt der DPSG in Neuss.

Weltweit gibt es mehr als 16 Millionen PfadfinderInnen und PfadfinderleiterInnen in über 150 verschiedenen Ländern und Territorien; welche das sind, ist hier nachzulesen.

 

Pfadfinder heute:
Junge Leute mit wachem Blick und sozialer Verantwortung

Pfadfinder sind junge Leute, die sich eine Gitarre auf den Rücken schnallen und fröhlich durch den Wald robben, urteilt Thomas, Redakteur einer großen deutschen Wochenzeitschrift. Für Frank, Moderator einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, sind Pfadfinder Leute, die jeden Tag alten Omas über die Straße helfen und vom Lagerfeuer in freier Natur schwärmen. So sehen es viele Journalisten. Ihr Vorurteil teilen sie mit vielen anderen.

Pfadfinder, so die landläufige Meinung, sind Berufsjugendliche mit verstaubter Jugendbewegung-Romantik. Einem Pfadfinder traut niemand zu, politisch zu denken und danach zu handeln. Genau das Gegenteil ist der Fall.

So haben viele Bürger nach den mörderischen Attentaten von Mölln, Solingen und anderswo geschwiegen, gleichgültig weggeschaut oder nur in Festansprachen der Opfer gedacht. Anders die Kölner Pfadfinder. Gemeinsam mit dem »Bund Moslemischer Pfadfinder Deutschlands« organisierten sie unter dem Motto »Fremdheit überwinden – Brücken bauen« eine große Straßenmalaktion. Ihr Ziel: Die Menschen wachrütteln. Denn Gleichgültigkeit ist der größte Feind der Mitmenschlichkeit, begründen die jungen Leute ihr Engagement.

Als Teil einer weltweiten Bewegung setzt sich die DPSG seit jeher für Frieden, wechselseitiges Verständnis und freundschaftliche Beziehungen zwischen den Völkern ein. Deswegen treten Pfadfinder immer wieder in spektakulären Aktionen für die politische Sicherung des Friedens, eine gerechte Weltwirtschaftsordnung und die universelle Verwirklichung der Menschenrechte ein. Wir wollen an den zentralen Problemen dieser Erde mitarbeiten und Lösungen finden, sagt Benedikt in seiner damaligen Funktion als Bundesvorsitzender der DPSG.

Die DPSG versteht sich als Anwalt von Kindern und Jugendlichen in einer gesellschaftlichen Situation, in der Zukunftschancen, Entfaltungsmöglichkeiten und Utopien heranwachsender Generationen zunehmend eingeschränkt werden.

Doch Pfadfinder setzen sich nicht nur in vielen großen Aktionen für eine menschlichere Welt ein. Das Engagement fängt bereits zu Hause und im kleinen an. Ob es um die Integration von geistig und körperlich Behinderten geht, den Schutz der Umwelt oder ein besseres Zusammenleben von Deutschen und Ausländern, Pfadfinder sehen sich immer in der Verantwortung, Hilfe und Solidarität in ihrer nächsten Umgebung zu leisten.

Engagierte Leiterinnen und Leiter begleiten die Kinder und Jugendlichen bei ihren Unternehmungen. Sie sehen ihre Aufgabe vor allem darin, junge Leute in ihrer Entwicklung zu unterstützen, zu stärken und ihre individuellen Begabungen zu fördern. Gleichzeitig wollen wir den jungen Pfadfindern die Augen öffnen, um die komplizierte Gesellschaft zu durchschauen und gegebenenfalls zu verändern, sagt Resi in ihrer damaligen Funktion als Bundesvorsitzende. Bei alldem lassen sich Pfadfinder ihren Spaß, ihre Freude und die Lust am Leben nicht nehmen. Und es macht uns Spaß, sagt der 16jährige Klaus aus Köln, die Kritik wie das freundschaftliche Miteinander in der Gruppe.

Lord Robert Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

Stillstand ist nutzlos. Es gibt eines oder das andere, entweder Fortschritt oder Nachlassen. Wir wählen den Fortschritt – und mit einem Lächeln im Gesicht.
Lord Robert Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

Grundlagen der Pfadfinderbewegung (WOSM)

Das Wort Grundlagen wird im Pfadfindertum gebraucht, um die Grundelemente, auf denen sich die Gemeinschaft der Bewegung aufbaut, zu beschreiben. Sie beinhalten Zweck, Prinzipien und Methode. Obwohl das Pfadfindertum, je nach den Bedürfnissen der jeweiligen Gesellschaft, in vielen verschiedenen Formen existiert, sind dies die allgemein gültigen Grundlagen, die die Pfadfinderbewegung weltweit verbinden. Diese Grundlagen sind in der Satzung der Weltorganisation der Pfadfinderbewegung festgelegt und charakterisieren alle Mitgliedsorganisationen von WOSM.

Die derzeitige Formulierung der Grundlagen wurde von der 26. Weltpfadfinderkonferenz 1977 in Montreal angenommen, nachdem man mehrere Jahre weltweit daran gearbeitet hatte. Sie repräsentiert die einzige gültige Aussage der mehr als einhundert Mitgliedsorganisationen von WOSM.

Das erste Kapitel der WOSM-Satzung beschreibt:

  1. die Definition des Pfadfindertums

  2. den Zweck des Pfadfindertums

  3. die Prinzipien des Pfadfindertums und ihren Ausdruck in Gesetz und Versprechen

  4. die pfadfinderische Methode.

Die Zitate in diesem Papier sind, soweit nicht anders gekennzeichnet, aus der WOSM-Satzung übernommen. (1)

Definition

Die Pfadfinderbewegung ist definiert als: »Eine freiwillige, nicht-politische Erziehungsbewegung für junge Leute die offen ist für alle, ohne Unterschiede von Herkunft Rasse oder Glaubenshekenntnis, übereinstimmend mit dem Zweck, den Prinzipien und der Methode, die vom Gründer der Bewegung entwickelt wurden und unten dargestellt sind «

Es muß angemerkt werden, daß es nicht möglich ist, alle Aspekte der Pfadfinderbewegung in einer einzigen Aussage zusammenzufassen. Der letzte Abschnitt der obigen Definition unterstreicht dies und betont die Tatsache, daß Zweck, Prinzipien und Methode von Robert Baden-Powell, dem Begründer der Pfadfinderbewegung, bestimmt wurden und als wichtiger Teil in die Definition mit aufgenommen wurden.

Diese werden in den folgenden Abschnitten genauer erklärt.

Die Schlüsselbegriffe der Definition, die den Hauptcharakter der Bewegung zum Ausdruck bringt, werden hier kurz erklärt.

Unter dem Begriff Bewegung versteht man eine Serie von organisierten Aktivitäten, die auf ein Ziel gerichtet sind. Eine Bewegung bedeutet deshalb beides: ein Ziel, das erreicht werden soll und einige organisatorische Maßnahmen, um dies zu garantieren.

Der freiwillige Charakter des Pfadfindertums betont die Tatsache, daß Mitglieder sich durch ihren eigenen freien Willen der Bewegung anschließen und die Grundlagen der Bewegung akzeptieren. Dies gilt für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.

Die Erziehungsbewegung Pfadfinder ist in dem Sinne nicht-politisch, daß sie sich nicht am Machtkampf beteiligt, der das Hauptanliegen der Politik ist und der gewöhnlich im System der politischen Parteien widergespiegelt wird. Dieser unpotitische Charakter wird von allen nationalen Vereinigungen satzungsgemäß verlangt und ist ein grundlegendes Charakteristikum der Bewegung.

Dies bedeutet jedoch nicht, daß das Pfadfindertum von den politischen Gegebenheiten in einem Land total abgeschieden ist. In erster Linie ist es eine Bewegung, deren Ziel es ist, verantwortungsbewußte Bürger zu erziehen. Diese Erziehung kann nicht ohne das Bewußtsein für die politischen Gegebenheiten im jeweiligen Land geschehen. Auch ist das Pfadfindertum eine Bewegung, die auf einer Anzahl von Prinzipien, sowie Gesetz und Versprechen basiert, welche die politischen Meinungen ihrer Mitglieder beeinflußt.

Das Pfadfindertum wird als eine Erziehungsbewegung definiert. Dies ist unbestreitbar sein Hauptcharakteristikum und wird deshalb hier auch länger ausgeführt.

Im weitesten Sinne kann Erziehung als Prozeß definiert werden, der auf die vollständige Entwicklung der Anlagen eines Menschen zielt.

Das Pfadfindertum muß daher klar von einer reinen Freizeitbewegung unterschieden werden. Ein Image, welches ihm in einigen Teilen der Welt nachgesagt wird. Trotz der Wichtigkeit der Freizeitaktivitäten im Pfadfindertum sind diese lediglich ein Mittel, um die Ziele zu erreichen, und nicht selbst das Ziel.

Erziehung muß auch vom Prozeß des Erwerbs von speziellem Wissen oder Fähigkeiten unterschieden werden. Wie oben definiert, beinhaltet Erziehung den Ausbau der Fähigkeit des Verstandes und den Ausbau des Bewußtseins, während der Prozeß zum Erwerb speziellen Wissens oder Fähigkeiten als Ausbildung bezeichnet wird.

Mit den Worten des Gründers: »Hier also liegt das wichtigste Ziel des Pfadfindertums: zu erziehen, nicht nach Deinem Willen formen, sondern zu erziehen, d.h. befähige den Jungen, für sich selbst, durch seine eigenen Ansprüche die Dinge zu lernen, die dazu beitragen, seinen Charakter zu bilden.« (2)

Der Begriff Erziehung wird normalerweise mit dem Schulsystem verbunden, was jedoch nur eine mögliche Form der Erziehung ist.

Übereinstimmend mit der UNESCO können drei Arten der Erziehung unterschieden werden:

  • Formelle Erziehung ist das hierarchisch strukturierte, aufeinander aufbauende Erziehungssystem von der Grundschule bis zur Universität.

  • Informelle Erziehung ist der lebenslange Prozeß, wodurch jedes Individuum seine Einstellung, Werte, Fähigkeiten und Wissen erwirbt. Dies geschieht durch tägliche Erfahrungen und durch die erzieherischen Einflüsse und Möglichkeiten in seiner Umwelt.

  • Nicht-formelle Erziehung ist organisierte erzieherisch Aktivität außerhalb des formellen Systems. Diese Aktivitäten wenden sich an eine definierte Zielgruppe und dienen definierten Lernzielen.

Das Pfadfindertum gehört zur letztgenannten Kategorie, da es außerhalb des formellen Erziehungssystems steht. Es ist eine Institution mit einem definierten erzieherischen Ziel, die sich an eine definierte Zielgruppe richtet.

Das Pfadfindertum wendet sich an junge Menschen. Es ist eine Jugendbewegung in der die Rolle der Erwachsenen darin besteht, jungen Menschen zu helfen, die Ziele des Pfadfindertums zu erreichen.

Obwohl es Tendenzen für die Altersbegrenzung gibt, existiert keine feste diesbezügliche Regelung. Jede nationale Pfadfinderorganisation bestimmt die angemessenen Altersgrenzen selbst.

Das Pfadfindertum ist offen für alle, ohne Unterschied in Herkunft, Rasse, Klasse oder Glauben. Eine der Grundprinzipien der Bewegung ist das Prinzip der Nichtdiskriminierung, sofern die betreffende Person sich freiwillig zu dem Zweck, den Prinzipien und der Methode der Bewegung bekennt.

Der Zweck der Pfadfinderbewegung

Der Zweck der Pfadfinderbewegung begründet ihre Existenz und beschreibt ihre Ziele.

Zweck der Pfadfinderbewegung ist es: »zur Entwicklung junger Menschen beizutragen, damit sie ihre vollen körperlichen, intellektuellen, sozialen und geistigen Fähigkeiten als Persönlichkeiten, als verantwortungsbewußte Bürger und als Mitglieder ihrer örtlichen, nationalen und internationalen Gemeinschaft einsetzen können. «

Diese Beschreibung des Ziels unterstreicht den erzieherischen Charakter der Bewegung, der auf die ganzheitliche Entwicklung der individuellen Anlagen zielt.

Ein Grundprinzip der Erziehung ist, daß die verschiedenen Bereiche eines Menschen - körperlich, intellektuell, sozial und geistig - nicht isoliert von einander entwickelt werden können. Der Prozeß der Persönlichkeitsentwicklung kann nur ganzheitlich erfolgen.

Das Pfadfindertum ist natürlich nur ein Faktor in der Entwicklung junger Menschen. Es möchte weder Familie, Schule, religiöse oder soziale Einrichtungen ersetzen, sondern die Erziehungsbemühungen dieser Einrichtungen ergänzen.

Auch das Konzept des verantwortungsbewußten Bürgers muß in einem breiten Zusammenhang gesehen werden.

Zunächst einmal muß ein Mensch als Individuum betrachtet werden. Dieses Individuum ist integriert in eine Gemeinschalt, die wieder Teil einer politischen Struktur ist, welche wiederum Teil eines Staates ist. Schließlich ist es in der Fortsetzung ein Mitglied der internationalen Gemeinschaft. Ein verantwortungsbewußter Bürger muß sich seiner Rechte und Pflichten in bezug auf die unterschiedlichen Gemeinschaften, denen er angehört, bewußt sein.

Die Prinzipien der Pfadfinderbewegung

Die Prinzipien sind die fundamentalen Regeln und Einstellungen, welche zur Erreichung des Ziels beachtet werden müssen. Sie beschreiben einen Verhaltenskodex, der alle Mitglieder charakterisiert. Das Pfadfindertum basiert auf drei Grundprinzipien, die seine fundamentalen Regeln und Einstellungen beschreibt. Diese sind:

  • die Pflicht gegenüber Gott

  • die Pflicht gegenüber Dritten

  • die Pflicht gegenüber sich selbst

Diese erste beschreibt die persönliche Beziehung zu den geistigen Werten des Lebens, die zweite ist die persönliche Beziehung zur Gesellschaft im weitesten Sinne und das dritte benennt die Verpflichtung einer Person gegenüber sich selbst.

Die Pflicht gegenüber Gott

Das erste der oben genannten Prinzipien der Pfadfinderbewegung wird definiert als »Festhalten an geistlichen Grundsätzen, Treue zur Religion, die diese ausdrückt, und Anerkennen von Verpflichtungen, die daraus erwachsen.«

Im Gegensatz zum Titel, enthält der eigentliche Text das Wort »Gott« nicht. Dadurch soll klar werden, daß diese Beschreibung auch Religionen einschließt, die nicht an einen Gott glauben, wie z.B. der Hinduismus, oder solche, die keinen festen Gott kennen, wie z. B. der Buddhismus.

Über den Ursprung der Religion im Pfadfindertum befragt, antwortete B.-P.: »Sie kommt nicht hinein. Sie ist bereits da. Die Religion ist ein grundlegender Faktor des Pfadfindertums. « (3)

Eine sorgfältige Analyse der Schriften des Gründers zeigt, daß das Konzept einer übermenschlichen Macht grundlegend für das Pfadfindertum ist. Das ganze erzieherische Bemühen der Bewegung zielt darauf, jungen Menschen zu helfen, über die materialistische Welt hinaus die spirituellen Werte des Lebens zu finden.

Die Pflicht gegenüber Dritten

Unter diesem Oberbegriff sind eine Anzahl von grundlegenden Aussagen der Bewegung aufgeführt. Sie beschäftigen sich mit der Verantwortung einer Person gegenüber der Gesellschaft in den verschiedenen Ausprägungen.

Die Pflicht gegenüber Dritten wird definiert als:

  • »Treue gegenüber dem eigenen Land in Übereinstimmung mit dem Wirken für örtlichen, nationalen und internationalen Frieden, für Verständigung und Zusammenarbeit.

  • Mitarbeit an der Weiterentwicklung einer Gesellschaft mit Achtung und Ehrfurcht vor der Würde des Mitmenschen und der Unversehrtheit der Natur.«

Der erste Spiegelstrich umfaßt zwei Grundsätze der Pfadfinderbewegung: Treue gegenüber dem eigenen Land und die weltweite Freundschaft und Verständigung. Die beiden sind in einem Grundsatz zusammengefaßt, um zu zeigen, daß das Konzept der Treue gegenüber dem eigenen Land kein enges, chauvinistisches Konzept ist, sondern ein Konzept mit einer speziellen Betrachtungsweise: in Harmonie mit der Förderung von Frieden, Verständnis und Zusammenarbeit auf allen Ebenen: örtlich, national und international.

Die entspricht der Philosophie des Gründers: »Bei der Stärkung des Patriotismus in unseren Jungen und Mädchen sollten wir darauf achten, daß es ein Patriotismus ist, der über den engen, sentimentalen Patriotismus hinaus geht, welcher an den Grenzen des eigenen Landes endet und der Eifersucht und Feindschaft im Umgang mit anderen einflößt. Unser Patriotismus sollte großzügiger, nobler sein. Er sollte die Gerechtigkeit und Vernunft anderer Länder anerkennen und unser Land zu Kameradschaft mit den anderen Nationen der Welt führen. Der erste Schritt dahin ist, den Frieden und guten Willen in unserem eigenen Land zu entwickeln, indem wir unsere Jugend beiderlei Geschlechtes in diesem Sinne erziehen - damit die Eifersucht zwischen Städten, Klassen und Religionen nicht länger existieren kann. Im zweiten Schritt sollten wir dann diese Einstellung über unsere Grenzen auf unsere Nachbarn übertragen. « (4)

Seit der Gründung hat das Pfadfindertum der Förderung von Brüderlichkeit und der Verständigung junger Menschen aller Nationen große Wichtigkeit zuerkannt. Die vielfältigen internationalen Zusammenkünfte von jungen Menschen sind dabei die am besten sichtbaren Demonstrationen des Willens, dieses Ziel zu erreichen. Vertieft wird diese Einstellung durch die tagtäglichen Pfadfinderaktivitäten. Der zweite Spiegelstrich drückt das Grundprinzip der Pflicht gegenüber Dritten umfassender aus: Erstens ist Pflicht gegenüber Dritten in einem weiteren Sinn als ein Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaft, in Übereinstimmung mit der Philosophie des Gründers, konzipiert. Zweitens kann diese Entwicklung aber nicht um jeden Preis durchgeführt werden. Sie muß auf der Achtung der Menschenwürde und auf der Unversehrtheit der Natur basieren. Das Konzept der Menschenwürde ist eine grundlegende Vorschrift der internationalen Gemeinschaft und ist durch die Deklaration der Menschenrechte manifestiert. Das heißt, daß jede pfadfinderische Aktivität auf dem Respekt vor der menschlichen Kreatur basieren muß.

Das Konzept der Unversehrtheit der Natur umfaßt die Idee des Umweltschutzes, welche schon immer eine große Rolle für das Pfadfindertum gespielt hat. Es besagt, daß der Lebensraum des Menschen und der anderen Organismen auf der Erde in jeder Hinsicht ein einziges Ökosystem bilden. Jede Verletzung eines Teils des Systems wirkt sich auf das ganze System aus. Dieses Konzept betont, daß der Mensch in der Verfolgung seiner Ziele natürliche Ressourcen nicht in der Art und Weise ausbeuten darf, daß das natürliche Gleichgewicht der Umwelt gestört wird.

Die Pflicht gegenüber sich selbst

Dieses Prinzip wird definiert als: »Verantwortlichkeit für die eigene Weiterentwicklung«.

Neben der »Pflicht gegenüber Gott« und der »Pflicht gegenüber Dritten« basiert das Pfadfindertum auch auf dem Prinzip, daß der Mensch die Verantwortung für seine eigene Entwicklung trägt. Dies entspricht der Erziehungsabsicht der Pfadfinderbewegung. Das Ziel ist die Unterstützung junger Menschen in der Entfaltung ihrer Persönllchkeit. In dieser Hinsicht spielen Gesetz und Versprechen eine grundlegende Rolle.

Anerkennung eines Gesetz und Versprechens

Die oben angeführten Prinzipien, in bezug auf die geistigen, sozialen und persönlichen Dimensionen, beschreiben die fundamentalen Regeln und Einstellungen, auf denen das Pfadfindertum basiert.

In der Konsequenz müssen die Programme aller Pfadfinderverbände ein Maximum an Gelegenheiten enthalten, die die Entwicklung junger Menschen auf der Basis dieser Prinzipien ennöglichen. Seit Gründung der Bewegung waren Gesetz und Versprechen die Hilfsmittel, um diese Prinzipien in einer für junge Menschen verständlichen und nachvollziehbaren Art auszudrücken.

Deshalb müssen alle Pfadfinderorganisationen Gesetz und Versprechen verwenden.

In dieser Hinsicht ist das ursprünglich durch den Gründer formulierte Gesetz und Versprechen eine nützliche Quelle zur Inspiration, da sie die Grundlagen der Bewegung verkörpern. Es muß allerdings betont werden, daß das ursprüngliche Gesetz und Versprechen für junge Menschen in England zu Beginn des 20. Jahrhunderts formuliert wurde.

Jede Pfadflnderorganisation muß gewährleisten, daß ihr Gesetz und Versprechen in einer modernen, der jeweiligen Kultur angepaßten Sprache abgefaßt wird und daß es genau den vorgegebenen Prinzipien entspricht.

Um sicherzustellen, daß die Verschiedenartigkeit der Formulierungen nicht die Einigkeit der Bewegung beeinträchtigt und die Grundlagen der Bewegung richtig wiedergegeben werden, müssen Gesetz und Versprechen vor Inkrafttreten und vor jeder Änderung durch die Weltorganisation genehmigt werden.

Die pfadfinderische Methode

Eine Methode kann als Mittel, das zur Zielerreichung benutzt wird, oder aber als Abfolge von Schritten auf das Ziel zu definiert werden. Wenn, wie das bei der Pfadflnderbewegung der Fall ist, eine Bewegung auf gewissen Grundlagen basiert, so müssen die Methoden auf diesen Grundlagen aufbauen.

Die pfadfinderische Methode ist definiert als: »ein System fortschreitender Selbsterziehung durch:

  • Gesetz und Versprechen

  • Learning by doing

  • Bildung kleiner Gruppen (z. B. Sippen), welche, unter Führung Erwachsener, fortschreitendes Entdecken und Übernehmen von Verantwortung sowie die Erziehung zu Selbständigkeit durch die Entwicklung des Charakters, Anerkennung von Verantwortlichkeit, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit und Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Führung, einbeziehen.

  • Fortschreitende und attraktive Programme verschiedenartiger Aktivitäten, die auf den Interessen der Teilnehmer beruhen wie Spiele, sinnvolle Fertigkeiten, Dienst im Gemeinwesen, die weitgehend in engem Kontakt mit Natur und Umwelt stattfinden.

Die pfadfinderische Methode ist also ein System fortschreitender Selbsterziehung.

Erreicht wird dies durch die Kombination der nachfolgend aufgeführten Elemente.

Zuvor soll das Schlüsselkonzept in der Definition der pfadfinderischen Methode herausgestellt werden. Dies besagt, daß die pfadfinderische Methode ein System der fortschreitenden Selbsterziehung ist. Das System besteht aus einer Gruppe voneinander abhängiger Elemente, die ein gemeinsames, integriertes Ganzes ergeben.

Darum wird das Wort Methode nur im Singular und nicht im Plural verwendet. Obwohl jedes Element auch als eigenständige Methode angesehen werden kann (und zum Teil von anderen Organisationen auch wird), können wir nur dann von der pfadfinderischen Methode sprechen, wenn alle Elemente kombiniert angewendet werden. Diese Anwendung stützt sich auf die Idee der fortschreitenden Seibsterziehung.

Gesetz und Versprechen

Das erste Element der pfadfinderischen Methode ist das Gesetz und Versprechen. Wie bereits erwähnt, sind Gesetz und Versprechen Hilfsmittel, um die Grundlagen der Pfadfinderbewegung zu formulieren. Hier wollen wir weniger auf die in Gesetz und Versprechen enthaltenden Wertvorstellungen eingehen, als vielmehr auf seine Rolle als erzieherische Methode.

Durch Gesetz und Versprechen gibt ein junger Mensch freiwillig eine Verpflichtung ab, sich selbst an einen Verhaltenskodex zu halten. Er erklärt gegenüber einer Gruppe von Gleichgesinnten, für die Einhaltung dieser Selbstverpflichtung verantwortlich zu sein.

Die ständige Auseinandersetzung mit diesem Verhaltenskodex und der Versuch, das eigene Leben bestmöglich nach diesen Idealen auszurichten, sind ein höchst wirksames Instrument für die Entwicklung junger Menschen.

Learning by doing

Ein weiteres Grundelement der pfadfinderischen Methode ist das Konzept der aktiven Erziehung. Learning by doing ist heute ein Eckpfeiler jeder modernen Erziehung geworden.

Dieses Konzept erscheint überall in den Schriften des Gründers. Er betont: »Ein Junge ist immer eher bereit etwas zu tun, als darüber zu reflektieren. « (5)

Die Idee des Pfadfindertums, durch Beobachten, Experimentieren und eigenes Erleben zu lernen, wurde durch Dr. Maria Montessori, eine der größten Autoritäten auf dem Feld der Erziehung, gepriesen. Befragt, wie ihr System auf Kinder über 6 Jahren angewandt werden könnte, erwiderte Dr. Montessori: »Ihr habt doch in England die Boy-Scouts. Ihre Erziehungsmethode ist die natürliche Fortsetzung dessen, was ich mit Kindern mache. « (6)

Ein Programm, das nicht auf dem Konzept learning by doing basiert, kann nicht als Pfadfinderprogramm bezeichnet werden.

Bildung kleiner Gruppen

Das dritte Element der pfadfinderischen Methode ist das System der Bildung kleiner Gruppen (z. B. Sippen). Der Vorteil kleiner Gruppen zur Sozialisation - z. B. zur Unterstützung der Integration junger Menschen in das soziale Leben - ist in den Sozialwissenschaften schon lange bekannt.

Auch ist bekannt, daß in einer kleinen Gruppe die Beziehungen zueinander den höchsten Stellenwert haben.

Die geringe Anzahl von Mitgliedern, die dauerhaften Beziehungen, die Identifikation aller Mitglieder der Gruppe mit den Zielen, die gründliche Kenntnis der übrigen Gruppenmitglieder, die gegenseitige Anerkennung innerhalb der Gruppe, das Gefühl von Freiheit und Spontanität und die Tatsache, daß soziale Kontrolle innerhalb der Gruppe nur informell stattfindet - all dies bietet eine ideale Atmosphäre für die Entwicklung vom Jugendlichen zum Erwachsenen.

Die kleine Gruppe gibt jungen Menschen die Möglichkeit, Verantwortlichkeit zu entdecken und zu akzeptieren. Sie können ihre Selbstbestimmung entwickeln. Dies begünstigt die charakterliche Bildung junger Menschen und hilft ihnen, Kompetenz, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit zur Kooperation und Führung zu erwerben.

Die Rolle der Erwachsenen im obengenannten Prozeß liegt in der Führung. Sie besteht darin, den jungen Menschen zu helfen, ihre Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung im sozialen Leben zu entdecken. Die Rolle des Erwachsenen sollte nicht in Kontrolle bestehen, da sich Jugendliche nur in einer Atmosphäre von Respekt und Achtung ihrer Persönlichkeit voll entwickeln können.

Wenn dies wirklich so angewendet wird, erfüllt diese Beziehung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen ein notwendiges Bedürfnis einer modernen Gesellschaft. Es schafft eine Ebene für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen.

Fortschreitende und attraktive Programme

Die drei oben vorgestellten Elemente der pfadfinderischen Methode äußern sich in Form der Programme der Pfadfinderorganisationen. Unter Programmen versteht man alle für Jugendliche angebotenen Aktivitäten der Pfadfinder.

Diese Programm müssen als ein zusammenhängendes Ganzes und nicht als eine Ansammlung von verschiedenen und unabhängigen Aktivitäten konzipiert sein. Die Beschaffenheit dieser Programme wird durch das vierte Element der pfadfinderischen Methode festgelegt.

Die Programme müssen aufeinander aufbauend konzipiert sein, um den Anforderungen der allmählichen und harmonischen Entwicklung von Jugendlichen gerecht zu werden. Ein Hilfsmittel, um dieses Ziel zu erreichen, ist das Proben- und Abzeichensystem.

Um diese Ziele zu erreichen, muß ein Programm anregend für die Adressaten sein. Deshalb sollte ein Programm eine ausgeglichene Kombination von verschiedenen Aktivitäten sein, die auf den Interessen der Mitglieder basiert. Dies sollte bei der Zusammenstellung der Programme beachtet werden, garantiert es doch in vielen Fällen den Erfolg.

Zu einer ausgeglichenen Kombination von verschiedenen Aktivitäten gehören die drei Hauptbereiche Spiele, das Erlernen nützlicher Fähig- und Fertigkeiten und der Dienst an der Gemeinschaft. Alle drei Bereiche sollten bei der Zusammenstellung des Programms berücksichtigt werden. Eine harmonische Kombination von Aktivitäten dieser drei Bereiche bildet den besten Weg, um die erzieherischen Ziele des Programms zu erreichen.

Seit den Anfängen der Pfadfinderbewegung werden die Natur und das Leben im Freien als idealer Rahmen für Pfadfinderaktivitäten angesehen. Der Gründer maß der Natur eine sehr große Bedeutung bei. Sein Buch »Scouting for Boys« versah er mit dem Untertitel »A handbook for instruction in good citizenship through woodcraft«. Dabei verstand er unter woodcraft »die Kenntnis von Tieren und Natur« (7). Baden-Powell maß der Natur nicht nur aufgrund der offensichtlichen Vorteile, die das Leben im Freien für die physische Entwicklung Jugendlicher hat, eine hohe Bedeutung bei.

Denn vom Gesichtspunkt der intellektuellen Entwicklung her werden die kreativen Fähigkeiten junger Menschen durch die vielen Herausforderungen, die die Natur bietet, angeregt. Sie werden befähigt, Lösungen zu finden, die auf Mitteln beruhen, die das überorganisierte Leben in den meisten Städten nicht bieten können.

Betrachtet man darüber hinaus die soziale Entwicklung, so erzeugen die gemeinsame Bewältigung von Risiken und Herausfordernug sowie die gemeinschaftlichen Anstrengungen um die Befriedigung lebensnotwendiger Grundbedürfnisse einen starken Zusammenhang zwischen den Gruppenmitgliedern. Es befähigt sie, die Bedeutung und Wichtigkeit des Lebens in einer Gemeinschaft voll zu verstehen.

Schließlich spielt die Natur noch eine grundlegende Rolle in der religiösen Entwicklung junger Menschen. Mit den Worten des Gründers: »Die Atheisten behaupten, daß eine Religion, die aus einem von Menschen geschriebenen Buch stammt, nicht echt sein kann. Aber sie scheinen nicht zu sehen, daß uns Gott neben den gedruckten Büchern das großartige Buch der Natur zu lesen gab. Und sie können nicht behaupten, daß darin die Unwahrheit steht - die Tatsachen stehen dem entgegen. Ich bin nicht dafür das Studium der Natur als eine Form des Gottesdienstes oder als Ersatzreligion zu verwenden, aber ich trete dafür ein, das Verständnis der Natur in verschiedenen Fällen als einen Schritt hin zur Religion zu sehen.« (8)

Folgerichtig ist für Baden-Powell: »...das Wunder aller Wunder, wie manche Lehrer diese einfache und todsichere Möglichkeit der Erziehung (das Studium der Natur) vernachlässigen und stattdessen darauf bestehen, als ersten Schritt biblische Unterweisungen durchzuführen, um unruhige und lebhafte Jungen zum Nachdenken über tiefgründige Dinge zu bewegen. « (9)

Wann immer es möglich ist, sollten Pfadfinderaktivitäten im Freien, im direkten Kontakt mit der Natur stattfinden, da sie die ideale Umgebung bietet, in der eine harmonische und ganzheitliche Entwicklung junger Menschen stattfinden kann.

Quellennachweis

1 vgl. Constitution and By-Laws of the World Organization of the Scout Movement, Genf 1990

2 vgl. Baden-Powell: Aids to Scoutmastership, London 1919

3 vgl. Baden-Powell: Religion and the Boy Scout and Girl Guide Movement, 1926

4 vgl. Baden-Powell: Scouting and Youth Movement. London 1929

5 vgl. Baden-Powell: Aids to Scoutmastership, London 1919

6 vgl. Baden-Powell: Aids to Scoutmastership, London 1919

7 vgl. Baden-Powell: Scouting for Boys, 1908

8 vgl. Baden-Powell: Rovering to Success, 1930

9 vgl. Baden-Powell: Aids to Scoutmastership, London 1919

 

[Update 05.09.2002]

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